Die Synagogen


In den beiden Surbtaler Dörfern Endingen und Lengnau bestanden vom 17. bis 19. Jahrhundert die einzigen beiden jüdischen Gemeinden im heutigen Gebiet der Schweiz, wo in dieser Zeit eine dauerhafte Niederlassung möglich war.  

Zunächst wurden die Gottesdienste in Betsälen abgehalten, die man in gemieteten Häusern eingerichtet hatte. Im Jahr 1750 erhielten die Surbtaler Juden die Erlaubnis, in Lengnau eine Synagoge zu bauen und auf halbem Weg zwischen Endingen und Lengnau einen Friedhof anzulegen. 1764 wurde ihnen auch der Bau einer Synagoge in Endingen gestattet. Damit konnte die bauliche Infrastruktur für ein jüdisches Gemeindeleben geschaffen werden. 



Von kultur- und kunsthistorischer Bedeutung

Im Laufe der Zeit übernimmt der Verein auch die «Sorgepflicht» für die beiden Synagogen Endingen und Lengnau. Getragen werden die finanziellen Aufwendungen jeweils von den Instanzen der eidgenössischen und der kantonalen Denkmalpflege, von Stiftungen, Privaten, von den beiden Gemeinden sowie vom Verein. In den 1980er Jahren werden beide Synagogen einer tiefgreifenden Renovation unterzogen, damit sie auch künftig ihre Funktion als Kultstätte, als kultur- und kunsthistorisches Anschauungsmaterial sowie als baugeschichtliche Objekte erfüllen können. Durch die nahezu vollständige Vernichtung aller Synagogen im gesamten mittel- und westeuropäischen Raum während der Reichspogromnacht und im Zweiten Weltkrieg kommt diesen Synagogen ein besonderer Stellenwert zu. Bei der Renovation in Endingen werden zudem die Fundamente der ursprünglichen Synagoge von 1764 freigelegt. Die Gesetzestafeln, die in beiden Synagogen den Dachfirst schmücken, müssen wegen Erosionsschäden erneuert werden; die alten Tafeln der Synagoge Endingen aus dem Jahr 1852 sind heute auf dem Friedhof zu besichtigen. 

Lengnau

1750/51 konnte eine erste Synagoge erbaut und eingeweiht werden. Nach der von Johann Caspar Ulrich erhaltenen Zeichnung war es ein einfacher, rechteckiger, überwiegend hölzerner Bau mit einem leicht konkaven Walmdach. 1845 bis 1847 wurde eine neue Synagoge erbaut, Architekt war Ferdinand Stadler aus Zürich. Die Synagoge ist die älteste Synagoge der modernen Schweiz. Der Bau markiert das Selbstbewusstsein einer erstarkten jüdischen Gemeinde, die im Eröffnungsjahr auf über 500 Personen angewachsen war. Die Rundbogen leitete der Architekt von der Romantik ab. Im Innern tragen schmale, hölzerne Stützen die umlaufende Frauenempore und gliedern den Raum in drei Schiffe. Die vorherrschenden Ockertöne, die Messing, Kupfer oder Gold imitieren, geben dem Raum eine festliche Atmosphäre. Die Synagoge ist seit 1963 unter Denkmalschutz und  

wird bis heute für Gottesdienste, religiöse und kulturelle Veranstaltungen genutzt.



Endingen

1764 konnte eine erste Synagoge eingeweiht werden. Sie wird als kunstvoller Bau beschrieben, der den Entwurf der Synagoge von Randegg aus dem Jahr 1800 beeinflusst haben soll. Charakteristischer Unterschied gegenüber der Lengnauer Synagoge wurde der Treppengiebel über der Fassade. Die Synagoge fiel etwas grösser als das Gotteshaus in der Nachbargemeinde aus. Die Gesamtkosten waren entsprechend etwas höher: 46 000 Franken waren für den Neubau notwendig. Um 1850 zählte die jüdische Gemeinde Endingen rund 1000 Personen und war damit etwas grösser als die christliche Gemeinde. Der Badener Architekt Caspar Joseph Jeuch entwarf eine streng klassizistische Fassade und schmückte Fenster und Türen mit maurisch anmutenden Hufeisenbogen. Die Synagoge ist das einzige Gotteshaus im alten Dorfteil. Sie trägt eine imposante Uhr und schlägt die Stunden, was bei Synagogen unüblich ist. Die Malereien im Innern ergänzen die maurischen Architekturelemente. Damit spielen Architekt und Maler auf die orientalischen Wurzeln des Judentums an. Die Synagoge ist ein baugeschichtliches Kulturdenkmal steht seit 1963 unter Denkmalschutz.