Der Friedhof

Der Friedhof ist ein kulturgeschichtliches Zeugnis, seine Grabsteine erzählen von der Geschichte der Schweizer Juden. Gemäss jüdischer Bestattungstradition ruhen Verstorbene bis zum Tag ihrer Auferstehung. Das bedeutet, dass Gräber keinesfalls aufgehoben werden dürfen. Frauen und Männer sowie Kinder sind getrennt begraben. Es gibt kaum Grabschmuck. Einzelne Grabsteine sind längst in Baumstämme eingewachsen, andere erlebten Verwitterung und Zerfall – allesamt wertvolle Quellen aus einer früheren Zeit.

Der «gute Ort»

Ursprünglich mussten die Juden aus dem Surbtal ihre Toten auf einer Insel im Rhein (dem «Judenäule») bei Koblenz beerdigen. 1750 erhielten sie die Erlaubnis, an der Surbtalstrasse zwischen Endingen und Lengnau Boden für einen Friedhof zu erwerben. Mit diesem Kauf war der Grundstein für eine dauernden Ansiedlung gelegt. 

Der Friedhof hat zwei Eingänge, je einen auf Endinger und auf Lengnauer Seite. In der Schweiz existiert kein älterer jüdischer Friedhof. Er zählt etwas mehr als 2700 Gräber, und es werden bis heute Verstorbene beerdigt. Im 20. Jahrhundert wurde Boden dazugekauft. Seit 1963 steht der Friedhof unter kantonalem Denkmalschutz. 
Juden mit Endinger oder Lengnauer Wurzeln nennen den Friedhof auf Surbtaler Jiddisch «beis oulem» (aus dem Hebräischen: «Haus der Ewigkeit») oder aber schlicht den «guten Ort». Schlichtheit spricht auch aus den meisten Grabinschriften: Ob auf Hebräisch oder auf Deutsch, aus der Sprache, den Segenssprüchen und vereinzelt auch aus den Berufsangaben ergibt sich das Bild eines früheren, lebendigen Landjudentums. Grosse Namen sind mit dem jüdischen Surbtal verbunden und belegen die internationale Bedeutung dieser Grabstätte. So etwa Meyer Guggenheim, der in Lengnau zur Welt kam, und sein Sohn Solomon, der das gleichnamige Museum in New York begründete, aber auch William Wyler, der Regisseur des berühmten Filmklassikers «Ben Hur», der Komponist Ernest Bloch oder der Maler Varlin, der mit bürgerlichem Namen Willy Guggenheim hiess.